Homer

Bei schönem Wetter ist die Kulisse bei Homer schlichtweg atemberaubend, habe ich gelesen und ich habe schönes Wetter gebucht. Immer wieder streift die Straße den Kenai River, an dessen Ufern die Angler in ihren hüfthohen Gummistiefeln um den reichhaltigen Lachs wetteifern. Die letzten 100 km von Homer entfernt, erstrahlen schneebedeckte alte Vulkanberge im Sonnenschein am gegenüberliegenden Ufer des Cook Inlet. Wir übernachten auf einer Hochebene mit Blick auf die Gletscher in der Kachemak Bay und der Weg nach unten zum Wasser ist abenteuerlich naturverbunden. Einen weiteren Tag lang fahren wir nach Anchorage durch nicht enden wollende Bergzüge, mal flach und grün bedeckt mit Sträuchern und Tannen, mal hoch erhoben grau, schneebedeckt und mit Gletschern überzogen. Ein Weißkopfseeadler fliegt über meinen Kopf hinweg. Traumhaft!

Anchorage

Nach drei Wochen und 6.000 Kilometern mit dem Motorrad angekommen in Anchorage, plane ich mir eine Verschnaufpause von drei Tagen zu gönnen. Rund 280.000 Menschen, nicht ganz die Hälfte der Alaskaner, leben in dieser typisch amerikanischen Stadt mit breiten Straßen im Schachbrettmuster.

Zuerst verwirren mich die mindestens vierspurigen Einbahnstraßen, in die man leicht versucht ist, hineinzufahren. Das Navi lässt einen aber sehr schnell und sicher alle Straßen finden. Unter anderem den deutschen Konsul in Anchorage, bei dem Charly einen neuen Pass beantragen muss, weil dieser unauffindbar ist. Es ist Montag und das Büro des Konsuls ist an diesem Morgen offenbar nicht besetzt. Wahrscheinlich, weil dieser nur nebenbei Konsul und im Hauptjob Rechtsanwalt ist, wie ich erfahre. Eine sehr besorgte Angestellte des Visitor Centers hat auf mein Nachfragen bereits an der Grenzstation angerufen, wo der Pass verloren gegangen sein könnte. Ohne Erfolg. Und der Konsul ist mittags auch noch nicht da. Wir warten und warten, ich trinke eine heiße Schokolade neben an und warten weiter den ganzen Tag vergeblich.

Ganz in der Nähe des Hostels liegt der Lake Hood. Ein Flughafen mit lauter kleinen Wasserflugzeugen, die das schöne Wetter am Wochenende nutzen. Sie starten und landen im fünf Minuten Takt auf dem kleinen See und fahren die Wasserstraße entlang zu ihren Stellplätzen. Eins schöner als das Andere. Wenn man das nötige Kleingeld hat, könnte man sich bei den zum Verkauf stehenden umsehen. Das was hier völlig normal ist, fasziniert mich. Gerne würde ich mal mit einer solchen kleinen Maschine mitfliegen.

Vom Kapitän Cook Denkmal aus, sehe ich bei schönstem Sonnenschein auf den MountMcKinley (Denali) und abends die Belugawale an der Küste von Anchorage auf und ab schwimmen. Die Alaskaner selbst sind sehr freundlich und immer wieder an der African Twin von Charly interessiert, die hier zum letzten Mal 1987 gebaut wurde. Halten grundsätzlich doppelt so viel Abstand beim Vorbeigehen z. B. im Supermarkt und grüßen auf der Straße, wenn man sie anschaut.

 

In dieser ganzen Woche in Wartestellung auf den deutschen Pass habe ich Zeit gehabt, einige Menschen und Anchorage genauer kennen zu lernen. Marion und Uli treffe ich schon zum zweiten Mal in Alaska. Diesmal nehmen sie meine zu viel eingepackten Sachen mit zurück nach Deutschland und wir gehen im Alaskan Brewing Restaurant gemeinsam essen. Im Hostel gibt es einen deutschsprachigen Flügel: Zwei Väter mit ihren drei Söhnen, die vom dreiwöchigen Angeln kommen, ein junges Paar, das schon seit Ende 2009 unterwegs ist, ein Fotograf mit seiner Geliebten, zwei Schweizerinnen, und eine junge vom Burnout betroffene Ökonomin.

Und Lena, die erst einen Tag hier ist und bereits ihren ersten Elchhirsch mit Riesengeweih fotografiert hat. Bisher habe ich noch keinen gesehen und mache mich zusammen mit Charly nach ihm auf die Suche. Und wir finden ihn! 

Höre viel über die Möglichkeiten in Alaska in verlassenen Gegenden zu wandern, Kajak zu fahren, vorbei an Otterkolonien und geführte Touren durch die Nationalparks zu buchen. Bevor ich mich noch für das Ein oder Andere entscheiden kann, taucht der Pass beim Konsul in Anchorage wieder auf. Charly holt ihn bei seiner Sekretärin, Miss Alaska genannt, ab. Wir planen die Weiterfahrt in Richtung Süden noch bevor es hier in drei Wochen schneit und nichts mehr geht.

Von Anchorage fahren wir im Regen zurück nach Tok. Sehe am Wegesrand, die hier üblichen gelegten Steine zur Erinnerung und aus dem Fenster des Motels, die alte Lösung für die Damentoilette. Lache herzlich und wir gehen noch auf ein Bier in die Kneipe nebenan, in der bereits viele Indianer sind. Große schlanke Staturen, gegerbte Gesichter mit langen schwarzen Haaren und um die Stirn ist ein Kopftuch gebunden.

Der Blick auf die Berge am Morgen, verrät mir, dass es aufklart und als ich auf dem Top of the World Highway bin, scheint die Sonne in vollen Zügen. 270 Kilometer fahren wir auf dem nördlichsten Highway der Welt und ich habe noch nie so viel Straßen gesehen, die scheinbar immer wieder im Himmel enden. Die 200 Kilometer nicht geteerte Straße verläuft über die Gipfel der Berge und dies ist ein beeindruckendes und erhebendes Erlebnis. Kurz bevor ich Alaska verlasse, begegne ich noch einer Karibufamilie. Auf Wiedersehen Alaska! Dies waren bewegende Momente und einzigartige Erlebnisse.