Segeln nach Ko Chang und zurück mit dem Wind des Taifun "Pabuk"

30.12.

Der Törn geht weiter bis ins nahgelegene Ko Samet. Leider wieder weniger Wind als erwartet und erhofft, dafür aber darf ich zum ersten Mal die Unterwasserwelt mit all ihren Korallen-, Schwamm- und Fischarten kennenlernen. Sehr vielfältig, dafür aber nicht so bunt wie in der Karibik oder den Galapagos Islands ... der Vergleich hinkt ja auch.

31.12.

Letzter Tag im Jahr. Wir wollten eigentlich längst in Ko Chang sein und überlegen noch am Morgen, ob diesmal der Wind reicht für den 60 Meilentagetörn ohne Zwischenstopp. Segeln dann aber einfach los und kommen zunächst auf maximal sechs Knoten mit vollen Segeln. Nett aber nicht wirklich dem Kat entsprechend. Wenn das so weiter geht, wird die Fahrt vor Sonnenuntergang nicht beendet sein. Der Wind wird langsam mehr und der Kat steigert sich auf beständige 10 Knoten. Immerhin. So könnten wir es bis vor dem Dunkelwerden noch bis Ko Chang schaffen. Dann schläft der Wind wieder ein und nur durch Trimmen der Fock schaffen wir noch unsere anfänglichen 6 Knoten zu unterbieten. Die erhoffte Ankunft rückt für kurze Zeit in weite Ferne. Nach der mittäglichen "Flaute" frischt der Wind bis auf über 23 Knoten auf und der Kat erreicht zum ersten Mal die 13 Knoten Marke. Mit über 11 Knoten segeln wir eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang in die Bucht von Ko Chang, in der es eine Shambhala-Bar geben soll. Leider hält der Anker im seichten Wasser davor nicht und wir verlegen uns in tieferes Gewässer der Bucht. Reiner informiert sich im Resort beim deutschen Manager über die Silvesterparty. Buffet etc. pro Person 3800 Bath .. stolze Preise für Thailand ... Wir gehen schwimmen und merken schlagartig, dass das Wasser hier voller Nesseltierchen und die Haut entsprechend brennt. Eine schnelle Behandlung mit Essig und etwas Kortison lindert die kleinen brennenden Einstiche. Kochen und essen an Bord und genießen das Feuerwerk vom Schiff aus.

Am nächsten Morgen verlassen wir die Bucht und verlegen Shambala II in die nächste Bucht an einen schönen Touristenstrand von Ko Chang. Kaufen im Dive Supply Laden verschiedene Dinge ein, führen Reparaturen am Schiff durch. Erkunden den Strand und seine Restaurants. Gehen im seichten unbelasteten Wasser schwimmen und ich säubere den Backbordkupferrumpf des Kat von Algen und Muscheln, Steuerbord war Reiner vor ein paar Tagen unterwegs. Und so vergehen die nächsten Tage. Geplanter Rücktörn am 04.01.2019. Immer unter Beobachtung des seit 57 Jahren größten Tropensturms „Pabuk" der von China kommende über Südthailand hinwegziehen und Ko Samui bzw. Phuket morgen treffen soll. Die Ausläufer haben wir auch hier auf Ko Chang in Form von Fallboen mit über 35 Knoten mitten in der Nacht zu spüren bekommen. Haben den Hahneport schnell noch abgefedert, damit man in der Nacht nicht aus den Betten fällt. Immerhin blieb es die andere halbe Nacht ruhig.

Dreieinhalb Wochen an Bord. Da wird nicht nur das Material des Katamerams getestet, sondern auch die Beziehungen untereinander. Für mich ist es nicht immer ganz einfach die Spannungen, die es gibt auszuhalten und gelassen zu bleiben. Das zehrt an mir und so verspürte ich zum ersten Mal "Heimweh", dass ich sonst so nicht kenne. Bis zur geplanten Ausreise, die laut thailändischen Vorschriften nur mit drei Besatzungsmitgliedern durchgeführt werden darf, sind es noch sieben Tage, in denen ich und die Eigner überprüfen können, ob es weiterhin passt. Zudem müssen die eingereichten Papiere unter anderem die Sportbootführerscheine von Laura und Reiner und mein Sportseeschifferschein für ausreichend erklärt werden. Laura hat einen Termin beim deutschen Konsul in Pattaya gemacht, um bestätigen zu lassen, dass diese Führerscheine kein Ablaufdatum haben. Unerlässlich für die Ausreise. Es bleibt abenteuerlich.

01.01.2019

Neujahrsmorgens und nur noch 25 Grad. Da brauche ich eine dünne Jacke, um nicht zu frieren. Ein Zeichen, dass ich mich an die Temperaturen von 35 Grad gewöhnt habe und zehn Grad weniger spürbar kalt werden. Die Ausläufer des Tropensturms „Pabuk“ werden messbar.

Laura und ich gehen an Land. Leider hat der Dive Supply Laden auf Ko Chang heute geschlossen. Auf dem Weg begegnet uns ein seltsam anmutender Jogger.

Wir kaufen im Supermarkt Obst für Lauras leckere Smoothies und Makrelen ein. Verlegen den Kat an einen schönen Nachbarstand und bleiben die nächsten Tage hier liegen.

Erleben einen wunderbaren Sonnenuntergang. Kaufen im geöffneten Dive Supply Blei zum Tauchen ein und für mich Tauchermaske Schnorchel und Flossen. Erkunden den Strand und seine Restaurants.

Und machen uns mit den Ausläufern von Pabuk auf den Weg zurück nach Samesan Island. Segeln bei gerefftem Groß zehn Stunden und müssen die letzten zwei Stunden motoren, um die Bucht hinter Rayon in der Dunkelheit zu erreichen. Die Luft wird von den dortigen Raffinerieabgasen deutlich schlechter. Das Wasser trüber. Jetzt auf der Rückfahrt fällt es mir erst deutlich auf.

Reiner will die kaputte Lichtmaschine reparieren. Kühltruhe und Kühlschrank sind bereits aufgrund der ausgebliebenen Sonne in den letzten zwei Tagen abgeschaltet und sollten eigentlich durch den Generator an Bord wieder Strom bekommen. Einen zusätzlichen Helfer an Bord, der technische und elektrotechnische Reparaturen zusammen mit Reiner durchführt, könnten wir hier wirklich noch gebrauchen. Zwei drei davon und er würde den Kat gerne von Singapur in die Karibik segeln. Wenn es möglich wäre beamen. Die ständig auftauchenden „Kinderkrankheiten“ zermürben die Moral, trotz des wundervollen selbst erdachten und entworfenen Katermerans mit all seinen technischen Raffinessen und designten Feinheiten.

Am nächsten Morgen zurück vor Samesan Island glaube ich meinen Augen nicht. Auf dem gesamten Wasser schwimmt Abfall. Und es wird im Laufe des Vormittags immer mehr. Wahrscheinlich hat die Flut und eventuell auch der Tropensturm die am Strand liegenden Abfälle allesamt aufgeschwemmt. Nun schwimmen jede Menge Styropor, Plastikflaschen, Badeschuhe, Fischerbojen, Plastikmüll in jeder Form, Benzin-, Öllachen und große Baumstämme vorbei Richtung offenes Meer. Unglaublich. Unfassbar. Und die Ironie dabei: Ich packe einen Sack Abfall in die vorgesehene Tonne an Bord in der Hoffnung, dass der Müll dann an Land ordentlich entsorgt wird.